OTIV Chronik

Anlässlich des 75-Jahr Jubiläums (1963) verfasste der damalige Aktuar E- Schöni die nachfolgende Vereinschronik. Das sehr umfassende Dokument gibt einen eindrücklichen Einblick in die jungen Jahre des OTIV.

 

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1963

75 JAHRE IMKERVEREIN OBERTHURGAU

75 Jahre bedeuten für einen Menschen schon ein respektables Alter und es geht, wie man zu sagen pflegt, nach und nach abwärts mit ihm. Für einen Verein soll es kein Altern geben, er soll sich immer wieder verjüngen, weiter entwickeln und vervollkommnen. Ein Bienenvolk verjüngt sich auch von selbst, die alten Bienen sterben ab, aber es folgen immer wieder junge nach, die Königin wird mit den Jahren auch altersschwach, eine Junge sorgt für die weitere Existenz des Volkes. Die Bienen sind seit undenklichen Zeiten den Menschen bekannt als Lieferanten des Süsstoffes, des Honigs, wenn auch im Altertum sicher nicht von einer eigentlichen Bienenzucht oder Bienenpflege gesprochen werden kann. Man nahm einfach den wilden Bienenvölkern, wo man solche fand, den Honig weg, ohne die Völker zu schonen. Mit der Zeit aber werden die Menschen doch gemerkt haben, dass der Honigsegen vermehrt werden könne, wenn durch eine, vorerst nur sehr primitive Pflege, die Völker geschont *’erden. Man verschaffte ganz einfache Bienenwohnungen, höhlte Baumstämme aus und machte Klotzbeuten, die dann von Bienenschwärmen besiedelt wurden. So kamen die Bienen schliesslich in den Besitz des Menschen, sie wurden damit zu Haustieren. Schon im frühen Mittelalter wurde dieser Besitz der Zeindler, so nannte man damals die Bienenmänner, von Staatswegen geschützt. Honigdiebstahl galt als ein schweres Verbrechen und wurde streng bestraft. Nicht nur Honig war ein begehrtes Produkt der Bienen, auch Wachs war ein bedeutender Artikel. Aus Wachs wurden die Kerzen für Kultuszwecke hergestellt. Darum wurden die Bienen besonders von den Mönchen in den Klöstern gehalten, die für Verbesserungen in der Bienenpflege schon viel leisteten.

Während schon im Mittelalter die verschiedenen Berufe sich zu Berufsverbänden, den damaligen Zünften zusammenschlossen, war dies bei den Zeindlern nicht der Fall. Trotzdem wurden in der Bienenzucht schon bedeutende Verbesserungen geschaffen. Die Bienenwohnungen wurden Schritt um Schritt verbessert, bessere Gerätschaften wurden erfunden und das Leben der Bienen wurde von Wissenschaftlern studiert. Aber ein rationeller Fortschritt konnte doch nur auf dem gegenseitigen Gedankenaustausch der Wissenschaftler und Praktiker erzielt werden. So kam es schliesslich zum Zusammenschluss dieser Pioniere auf dem Gebiete der Bienenzucht. In Deutschland waren es vorerst Pfarrer Dzierzon, Baron v. Berlepsch und andere, die in Wort und Tat Grosses leisteten, und deren Schriften grosse Beachtung fanden. In der Schweiz ergriff Prof. Menzel in Zürich die Initiative zur Gründung eines schweiz. Vereins. Andere tüchtige Männer, so auch der Thurgauer G. Pfau-Schellenberg von Christenbühl bei Neukirch/Egn. standen ihm zur Seite bei der Gründung des “Vereins schweiz. Bienenwirte”, wie der VDSB zuerst hiess. Das geschah im Jahre 1861. Bei der ersten Zählung im Thurgau im Jahre 1862 wurden 7091 Bienenvölker ermittelt. G. Pfau-Schellenberg ergriff mit andern führenden Köpfen, wie Leumann in Mattwil und Tierarzt Brauchli in Wigoltingen die Initiatife zur Gründung des ersten Vereins im Thurgau., des “Vereins thurgauischer Bienenwirte”. Diese erfolgte am 9. August 1863 in Sulgen. Der thurg. Verein errang sich sofort im schweiz. Verein eine sehr geachtete Rolle, sodass dieser schon im Jahre 1867 seine Wanderversammlung in den Thurgau, in den “Rosengarten” in Mattwil verlegte. Heute wäre der kleine Landgasthof “Rosengarten” in Mattwil wohl etwas zu klein, um solche Wandarversammlungen zu fassen. Für die Imker an der Peripherie des Kantons war es natürlich nicht möglich, im Rahmen des kantonalen Vereins tatkräftig mitzuarbeiten und so kam es bald zur Gründung von lokalen Sektionen. So entstand schon 1867 im Hinterthurgau ein eigener Verein, 1888 erfolgte die Gründung des Imkervereins Oberthurgau, 1891 der Verein Eschenz und Umgebung, 1892 der Verein Thurg. Seetal, 1898 am Nollen, 1899 Egnach und Umgebung und als letzter folgte 1910 der Bienenzüchterverein am Immenberg, dessen Geburt einer Art Zangengeburt glich, weil sich die führenden Männer im Thurg. Verein, jetzt “Verein thurg. Bienenfreunde” mit W.C. Freyenmuth an der Spitze, dieser Neugründung entgegensetzten, indem sie eine Schwächung ihres Vereins befürchteten. So haben wir im Thurgau seit 1910 acht Sektionen, die zuerst jede ohne Rücksicht auf die andern ihre eigenen Wege gingen und getrennt marschierten. Das Bedürfnis für einen kantonalen Zusammenschluss wurde aber doch wach, denn es mussten gesamt thurgauische Probleme gelöst werden. Im ”Verband thurgauischer Bienenzüchtervereine” sind alle acht Vereine zusammengeschlossen zu einer starken Einheit, der es möglich ist, allgemein kantonale Probleme zu lösen, wie es einer einzelnen Sektion nicht möglich wäre und die zugleich ein starkes Bindeglied der ganzen thurgauischen Imkerschaft darstellt.

Der “Oberthurgauische Imkerverein” wurde am 30. Dezember 1888 unter dem Namen “Oberthurgauischer Bienenverein” im “Hörnli” Romanshorn unter dem Vorsitz Fischer z. Hörnli gegründet. Als Tagesaktuar amtete Brüschweiler, Langgreut. Die Zirkulationsliste erzeigte die Namen von 34 Imkern, die gewillt waren, diesem neuen Verein beizutreten. Der definitiv gewählte Vorstand bestand mit den Herren Fischer, z. Hörnli als Präsident, Brüschweiler, Langgreut, den Beisitzern Wegmüller, Hub, Schoop- Spitz und Federle- Amriswil. Der Kommission wird der Auftrag erteilt, bis zur nächsten Versammlung die definitiven Statuten auszuarbeiten, um diese der Versammlung vorzulegen. Der Aktuar übernimmt auch das Kassieramt, vorläufig noch mit leerem Beutel. Unser August Wartenweiler war bei der Gründung des Vereins noch nicht dabei, er amtete damals noch als junger Schulmeister in Nussbauman und von dort aus hat er im Sommer 1888 (8. – 14. Juli) den achttägigen “Bienenkurs” in Wigoltingen absolviert.

In der zweiten Vereinsversammlung vom 3. Februar werden die vom Aktuar vorgelegten Statuten genehmigt und diese in der Folge dem Druck übergeben. Herr Gemeindeammann W.C. Freyenmuth in Wallhausen beleuchtet in seinem Referat den Werdegang der Bienenzucht vom Altertum bis zur Neuzeit. Grosse Umwälzungen, ja eine eigentliche Revolution ist im Bienenzuchtbetrieb in den letzten Jahren geschehen. Erfindungen der Kunstwabe, der Honigschleuder, der Mobilbienenwohnungen mit beweglichen Rähmchen u.s.w. haben den Bienenzuchtbetrieb auf ganz neue Grundlagen gestellt. Namhafte Wissenschafter machten wichtige Entdeckungen im Leben des Bienenvolkes, in der Ernährung der Bienenbrut vom Ei bis zur ausgewachsenen Bienenlarve, sowie der Königin und der erwachsenen Biene, über die Wärmeökonomie im Bienenvolk, über den Körperbau, über das Funktionieren der verschiedenen Organe u.s.w. Auch die künstliche Königinzucht findet bei den fortschrittlichen Imkern Eingang. In der dritten Vereinsversammlung vom 14. April 1889 referiert nochmals W.C. Freyenmuth in Fortsetzung seines ersten Referates.

Versammlung 27. Oktober 1889 in Dozwil. Als Referent spricht ein junger, schlanker und schwarzlockiger Schulmeister, August Wartenwäler, der von Nussbauman nach Engwang disloziert hat, über das Thema Ein- und Ueberwinterung der Bienen. Sein Referat und sein Auftreten muss den Leuten gefallen haben, denn er wird auch gleich für die nächste Frühjahrsversammlung als Referent bestimmt. Es folgen nun die Referate von August Wartenweiler am laufenden Band. Der Oberthurgauische Verein ist bis jetzt nur ein Filialverein des Kantonalvereins, also nicht direkt dem VDSB angeschlossen. Dieses Verhältnis hat natürlich verschiedene Nachteile und würde den jungen Verein in seiner Entwicklung hemmen. Auf Antrag von August Wartenweiler wird beschlossen, sich auf das Jahr 1891 dem Schweizerischen Verein anzuschliessen und somit das “Untertanenverhältnis” zum Kantonalverein aufzulösen. Die Mitgliederzahl beträgt nun schon 69 und der Bestand des Vereins ist somit hinlänglich gesichert.

In der Versammlung vom 8. Febr. 1891 fehlt der Präsident Fischer schon zum drittenmal unentschuldigt, er hat mehr Interesse an seiner Jassgesellschaft in seiner Wirtschaft daheim als an den Imkerversammlungen, aber eine Demission hat er doch nicht eingereicht. Kurzerhand wird nun August Wartenweiler in den Vorstand und auch zum Präsidenten gewählt. Nun ist der rechte Mann auf dem rechten Platz und der 8. Februar 1891 bedeutet für den Verein ein wirklicher Glückstag. In der Zeit der Revolution und der Umwälzungen auf allen Gebieten der Bienenzucht ist es natürlich von grosser Wichtigkeit, dass ein Mann an der Spitze des Vereins steht, der diese neuen Probleme sofort richtig übersieht und beherrscht, aus ihnen den richtigen Nutzen ziehen kann, ja sogar am Aufbau der Neuerungen erfinderisch mitarbeitet. Wartenweiler ist ein guter Erfinder von weiteren Verbesserungen, er ist ein guter Beobachter und er weiss sofort aus seinen Beobachtungen den rechten Nutzen zu ziehen. Beim Umstellen vom Stabil- auf den Mobilbau müssen viele Probleme gelöst werden, die Kastenfrage ist vielfach noch sehr umstritten, die Wabengrösse und die Masse in Höhe und Breite sind noch sehr ungleich, auch die Wabenstellung gibt viel zu reden. Mit der Einführung der Kunstwabe muss auch der Wabenbau richtig erneuert werden, die Völker müssen auch die Möglichkeit haben, einen angemessenen Drohnenbau erstellen zu können, alles Sachen, die uns heute keine Schwierigkeiten mehr bieten, die aber bis in alle Einzelheiten erprobt werden mussten. Mit der Einführung des beweglichen Wabenbaues konnte das Leben im Bienenvolk besser beobachtet werden, viele bisher ungelöste Fragen wurden damit aufgeklärt. Die künstliche Königinzucht fand Eingang, aber es mussten nicht einfach Königinnen produziert werden, sondern derart erzogene Königinnen mussten voll wertig sein, d.h. den Schwarm- oder Nachschaffungsköniginnen mindestens gleichwertig oder sogar überlegen sein. Der grosse Fehler, der bei der Korbbienenzucht vielfach gemacht wurde, indem im Herbst die schwersten, d.h. die besten Völker vernichtet wurden, um den Honig zu gewinnen, wurde jetzt ins Gegenteil umgedreht, indem mit dem Zuchtstoff der besten Völker minderwertige Völker verbessert werden konnten. Auf allen diesen Gebieten hat Wartenweiler produktiv gearbeitet, hat vieles ausprobiert zum Nutzen der ganzen Imkerschaft. Nicht alles ist ihm im ersten Anlauf gelungen, aber unentwegt hat er weitergearbeitet, um die Sache zum guten Ende zu führen und dann der Imkerschaft zu übermitteln. An Stoff zu Referaten fehlte es ihm nie und auf allen Gebieten der Bienenzucht war er beschlagen wie selten einer. Als zielsicherer und energischer Steuermann lenkte er das Vereinsschiff mehr als 50 Jahre lang. Mit ca. 50 Mitgliedern hat er den Verein angetreten, mit 350 Mitgliedern hat er diesen seinem Nachfolger übergeben. Ungefähr 600 Protokollseiten zeugen von seinem Schaffen für seinen Verein Oberthurgau.

Unter der Führung von August Wartenweiler geht es mit dem Verein tüchtig voran, aber auch der erste Aktuar und zugleich auch Kassier muss ein tüchtiger Mann gewesen sein, davon zeugen seine Protokolle, weniger seine Kassanotizen, deren erste ich im Protokoll vom 22. April 1894 fand mit den Zahlen: Einnahmen Fr. 146.39, Ausgaben Fr. 153.64, Guthaben des Rechnungsstellers Fr. 7.30. Allerdings zählte zum Vermögen des Vereins eine Rietsche Wabenpresse, die den Mitgliedern gegen eine kleine Entschädigung zur Verfügung gestellt wurde. Am 6. August 1892 wurde sodann eine Wachspresse angeschafft, die ebenfalls den Mitgliedern zur Verfügung gestellt wurde. Die Ausbeutung des Wachses aus alten Waben und die Herstellung von Kunstwaben war damals noch Sache der einzelnen Imker. Es war also notwendig, dass diese Arbeiten den Imkern gezeigt werden mussten, was in vielen Wachskursen vordemonstriert wurde. In der Wachsbehandlung zeigte sich Wartenweiler als sehr tüchtiger Praktiker. Aus den ältesten und schmutzigsten Waben gewann er das prächtig helle Wachs, goss daraus einwandfrei schöne Kunstwaben oder zauberte die schönsten Wachsfiguren. Die heutige Imkerschaft macht es sich bequemer und übergibt diese Arbeit vorteilhafter den gut eingerichteten Kunstwabenfabrikanten. Damit gehören die Wachskurse der Vergangenheit an.

Wie intensiv in den ersten Jahren unter Leitung von Wartenweiler gearbeitet wurde, wird dadurch bewiesen, dass im Jahre 1891 fünf Versammlungen, alle mit Vorträgen, sowie ein achttägiger Bienenkurs durchgeführt wurden. Fast alle Vorträge behandelten die grossen Umwälzungen in der damaligen Zeit in der Bienenhaltung und als Referenten traten neben Wartenweiler auch Freyenmuth und Tierarzt Brauchli in Wigoltingen auf. Letzterer hat dabei auch gesagt, wie schön es im 16. Jahrhundert geheissen habe, der Imker dürfe nicht zu viel Wein trinken und keinen Umgang mit Weibsleuten haben. Wenn die heutigen Imker das auch noch glauben, so ist das sicher gut und recht. Die rege Vereinstätigkeit hat sich natürlicherweise ausgewirkt in der Vermehrung der Mitgliederzahl. Im Jahre 1892 zählte der Verein bereits 92 Mitglieder. Im Protokoll vom 14. Febr. ist zu lesen, dass der Vorstand von fünf auf drei Mitglieder reduziert wurde, weil die Beisitzer doch nie anwesend waren, und gewählt wurden August Wartenweiler als Präsident, Jakob Brüschweiler als Aktuar, zugleich auch Kassier, und Federle als Beisitzer. Wartenweiler hielt einen Vortrag über “Wohnungssysteme’, wobei noch viel von der Korbbienenzucht gesprochen wird und weiter dann zum Mobilbau mit den beweglichen Rähmchen im Bürki-Jeckerkasten und im Blattkasten. Schon jetzt redet aber der Referent von den Vorteilen des Blättersystems. Dass aber die theoretische Ausbildung der Imker als notwendig erachtet wurde, zeigt, dass in dieser Versammlung 26 “Bienenvater” zu reduziertem Preise an die Mitglieder abgegeben werden konnten.

Am 26. Febr. 1893 wird der Name des Vereins vom “Oberthurgauischen Bienenverein” auf “Oberthurgauischer Imkerverein” abgeändert, indem nicht die Bienen, sondern die Imker sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben. Dieser Name ist bis heute geblieben und er wird auch weiter so bleiben. Wir haben keinen Grund, ihn nochmalsabzuändern. Im Jahre 1895 ist die Mitgliederzahl weiter auf 106 angestiegen, das erste Hundert ist damit bereits überschritten. Der Jahresbeitrag wurde auf Fr. 1.50 festgesetzt. Schon damals spielte die Rassenfrage in der Bienenzucht eine grosse Rolle. Es wurden gerade in jener Zeit sehr viele Krainer- und Italienerbienen eingeführt. Im Protokoll schreibt der Aktuar Brüschweiler aus einem Vortrag von August Wartenweiler über die “Bienenrassen”: Es gibt verschiedene Arten von Bienen, die sich unterscheiden durch Farbe, Grösse und Charakter. Hauptsächlich unterscheidet man 4 Rassen: Deutsche, Italiener, Krainer und Heidebienen. Dann gibt es auch auch noch Cyprische, Aegyptische, kaukasische und andere Rassen. Die deutsche ist bei uns die gewöhnliche. Sie ist ziemlich kräftig, bei sanfter Behandlung nicht gerade stechlustig, auch ziemlich bereit, bei guter Tracht mit dabei zu sein, von Farbe dunkelbräunlich. Sie überwintert im Allgemeinen bei langen Wintern besser als die südländischen. Hinsichtlich der Fortpflanzung steht sie der Krainer- und Heidebiene etwas nach. Die italienische Biene zeichnet sich aus durch ihr schönes Kleid, was auch ein Grund sein wird für deren starke Verbreitung, dann hat sie auch eine gute Spürnase und in der Verteidigung ihres Stockes wird sie nicht übertroffen, sodass nie ein weiselrichtiges Volk ausgeraubt werden kann. Die amerikanische Biene soll noch spürnasiger sein, der Referent weiss das aber nicht aus eigener Erfahrung. Die Krainer eignet sich vorzüglich zur Zuchtbiene, sie ist auch eine gute Honigsammlerin und von sanftem Charakter, von Farbe etwas heller als die Deutsche. Die Schwarmlust erklärt sich dadurch, dass sie immer in ganz kleinen Kasten gehalten worden sind. Dort ist die Haupttracht der Buchweizen, der spät blüht und dann will der Bienenzüchter eben viele Völker. Früher schwefelten sie die alten Völker ab, aber jetzt verkaufen sie dieselben viel auch in unsere Gegend. Wie die Krainer ist auch die Heidebiene sehr schwarmlustig, in einem Sommer 4 – 5 Schwärme, sie wird aber bei uns sehr selten gehalten. Wir haben hauptsächlich auf starke Völker unser Auge zu richten, die schon im Frühjahr kräftig sind, weil unsere Verhältnisse eben ganz andere sind. Der Referent weiss nicht, welche Rasse er am meisten empfehlen soll. Er hat drei Rassen auf seinem Stande und von allen gute Stöcke. Er redet der Kreuzung dieser Rassen das Wort.

Das war damals in der Zeit der Bastardierung, die sich aber bald bitter rächte und Wartenweiler hat dann selbst in der Reinzucht unserer braunen Landrasse wieder tüchtig mitgearbeitet.

Im Jahre 1896 fand in Frauenfeld die Wanderversammlung des VDSB statt, wo bei der Finanzierung der Verein thurg. Bienenfreunde mit 2/3 und der Oberthurg. Imkerverein mit 1/3 beteiligt waren. Dieser Anlass wurde mit einer kleinen Ausstellung verbunden und nahm einen recht guten Verlauf.

In einem Vortrag am 23. Mai 1897 sprach Herr Freyenmuth, Wallhausen, über die goldenen Regeln in der Bienenzucht. Die Zusammenfassung hat sicher heute ihre volle Berechtigung und heisst:

  1. Habe Liebe zu Deinen Bienen, denn “Lust und Liebe zu einem Ding, macht all Müh’ und Arbeit ring”.
  2. Habe Ordnung auf Deinem Stande und besonderes Augenmerk halte auf die kostbaren Waben.
  3. Wenn wir Bienenzüchter sein wollen, so sollen auch Kenntnisse gesammelt werden.
  4. Beobachten wir unsere Völker täglich und verstehen wir ihre Sprache? Rauschen oder Heulen bedeutet weisellos, nur kurzes brr ist ein Zeichen von gesund. Auch auf den Flug ist zu achten und je nach dem Stocke vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken.
  5. Merke Dir alles. Nicht die Königin ist manchmal schuld, wenn ein Volk nicht gedeihen will. Suche die Ursache.
  6. Dulde keine minderwertige Ware auf Deinem Stand.
  7. Trachte mehr auf starke und gute Völker als auf viele.
  8. Suche nur bestes Material zur Nachzucht, namentlich sogenannte Hüngler. Die Krainer sind fast etwas zu schwarmsüchtig, doch benutze das Schwarmmaterial aus guten Völkern.
  9. Beobachte und prüfe bei allen Operationen die Verhältnisse.
  10. Operiere ruhig.
  11. Erweitere zeitgemäss.
  12. Geize nie mit den Vorräten, denn das rächt sich bitter.
  13. Verschleudere die reiche Ernte nicht, indem Du unter dem Preise verkaufst. Sei bescheiden in guten Jahren und prahle nicht, das gibt nur Neider.
  14. Und dann zum Schluss darf eine wichtige Regel nicht vergessen werden, die da heisst: Ueb immer Treu und Redlichkeit, namentlich auch im Honighandel.

Im Jahre 1903 fand in Frauenfeld die Schweiz. Landwirtschaftliche Ausstellung statt, an welcher sich 6 thurg. Vereine gemeinsam beteiligten. Nach dem Plan von August Wartenweiler wurde dazu ein sechseckiger Pavillon erstellt. Für diese Ausstellung erhielt der Thurgau einen ersten Preis mit Silbermedaille.

Mit der Einführung der Rassenzucht durch Dr. Kramer wurde auch im Thurgau energisch an der Verbesserung unserer einheimischen Rasse gearbeitet. Im Jahre 1903 wurde die erste thurg. Belegstation im Rütli bei Herdern eröffnet, wobei Wartenweiler und mit ihm der Oberth. Verein fest beteiligt war. Die erste Zuchtgruppe im Oberthurg. Verein war die Zuchtgruppe Märstetten, bald darauf folgten Schlosswald, Amriswil und Kradolf, etwas später; auch Zuben. Die Zuchtgruppe Kammental ist ebenfalls eine Gründung durch unseren Verein, ist jetzt aber dem Verein thurg. Bienenfreunde angeschlossen, während die Zuchtgruppe Romanshorn vom Verein thurg. Bienenfreunde zum Verein Oberthurgau gewechselt hat. Unser Verein besitzt heute die Zuchtgruppen Märstetten, Kradolf, Schlosswald und Romanshorn, in denen allen tüchtig gearbeitet wird. Leider existieren die Zuchtgruppen Zuben und Birwinken nicht mehr.

Im Jahre 1904 werden die Statuten revidiert und neu gedruckt. In diesem Jahre ist von St. Gallen, wo er als Lehrer wirkte, Herr Christian Bösch nach Märstetten übersiedelt und hat dort das bekannte Bienengeschäft eröffnet. Zusammen mit Wartenweiler hat er den “Helvetiakasten” ausgeklügelt und konstruiert. In den Ostermontag- und Pfingstmontagkursen, an denen oft über hundert Teilnehmer anwesend waren, wurde vornehmlich der Helvetiakasten vordemonstriert und seine Vorzüge erläutert. Dieser Kasten fand denn auch im Thurgau und weiteren Gebieten der Ostschweiz viele Anhänger. Als Vorbild für den Helvetiakasten diente der von Pfarrer Sträuli in Scherzingen erfundene Sträulikasten, dessen Wabe aber für unsere Verhältnisse wohl zu gross war. Das Wabenmass des Helvetiakastens ist gleich wie dasjenige des Schweizerkasten, es ist die liegende Schweizerwabe im Längsbau. Leider ist Christian Bösch im Jahre 1914 auf der Heimfahrt von einer Imkerversammlung in Hauptwil unweit von Märstetten mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Für unseren Verein hat er in den 10 Jahren seines Märstetter Aufenthaltes in Vorträgen und Kursen viel gearbeitet.

Im Jahre 1906 wurde das Kassieramt vom Aktuariat getrennt und die Kasse, allerdings mit einem Defizitbetrag, dem dritten Vorstandsmitglied Federle in Amriswil übergeben. Im gleichen Jahre wurde der Jahresbeitrag von Fr. 1.50 auf Fr. 2.- erhöht. Ums Jahr 1910 tritt ein Mann in unserem Verein in Erscheinung, der dazu berufen war, in unserer Imkergilde eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Es ist die markante, breitschultrige Gestalt des Jakob Wittwer im Rank, Kradolf. In seiner Schreinerwerkstatt verfertigte er Bienenkasten und Bienenzuchtartikel und in seinem neuen, grossen und gut eingerichteten Bienenhaus pflegte er seine schönen Völker mit viel Liebe und Sorgfalt. Da war wirklich ein Bienenstand, der sich für Kurszwecke vorzüglich eignete. Hier wurden nun ab 1910 die meisten Kurse unseres Vereins abgehalten und es war wirklich eine Freude, bei diesen dabei zu sein. Es waren meist 30 und mehr Kursteilnehmer, die in ihrem Drang nach Weiterbildung hier einfanden. Wie ein Herold dozierte da unser August Wartenweiler über alle wichtigen Operationen im Bienenzuchtbetrieb, die Königinzucht im Fegling, die Zuchteinleitung, das Verschulden der Zellen, das Bilden der Befruchtungsvölklein, die Verwertung der Edelköniginnen im Kunstschwarm oder deren Zusetzen im Standvolk u.s.w., während sein junger Assistent die praktischen Arbeiten nach seinem gesprochenen Wort getreulich ausführte und sich derart zum zukünftigen Kursleiter trefflich ausbilden konnte. Während wir unsere Vormittagsarbeit ausführten, verwandelten Frau Wittwer und ihre Tochter die Schreinerwerkstatt in einen gemütlichen Essaal. Trefflich mundete das würzig zubereitete Mittagmahl der grossen Imkerfamilie an langer Tafelrunde. Ja, diese Kurse im Rank hatten immer eine grosse Anziehungskraft und waren immer gut besucht. Selbstverständlich wurden auch auf anderen geeigneten Ständen Kurse abgehalten, damit das ganze Vereinsgebiet auf seine Rechnung kommen konnte.

Im Jahre 1914 trat Faderle in Amriswil als Kassier und als Vorstandsmitglied zurück. Zum neuen Kassier wird Jakob Wittwer im Rank-Kradolf gewählt, der dieses Amt getreu bis zu seinem Ableben anfangs 1939 verwaltet. Während seiner Amtszeit steigert sich d~s Vereinsvermögen von Fr. 156.40 auf Fr. 5144.75, was uns ein Bild gibt von der Entwicklung des Vereins.

Am 17. Oktober 1915 feierte der Oberthurg. Imkerverein sein 25-jähriges Jubiläum auf der aussichtsreichen Höhe des Schulhauses Engwang, wobei August Wartenweiler von seiner 30-jährigen Tätigkeit als Bienenzüchter erzählte. Als Geschenk, oder sagen wir als kleine Entschädigung für seine für den Verein geleistete uneigennützige Arbeit wurde ihm eine goldene Uhr mit Widmung überreicht. Nach den Protokollnotizen muss es damals in Engwang ein feuchtfröhliches und sehr gediegenes Fest abgesetzt haben, bei welchem der Schreibende  leider nicht dabei sein konnte, da er damals im Aktivdienst im Bündnerland weilte.

Am 17. Mai 1916 referierte August Wartenweiler über seine Feglingszucht und zeigte anschliessend das elektrische Einlöten der Kunstwaben. Wie mögen da die Zuschauer gestaunt haben, wenn die Drähte so wunderbar in die Kunstwaben hinein geschlüpft sind. Das war wirklich eine geniale Erfindung von Wartenweiler, aber der damals gebräuchliche Wasserwiderstand hat sicher manche Sicherung durchschmelzen lassen. Heute arbeiten wir natürlich mit den staatlich anerkannten Metallwiderständen und das Einschmelzen mit dem heissen Rädchen kennen wir nur noch in der Erinnerung an das mühselige und zeitraubende Arbeiten vergangener Tage.

Am 6. Mai 1917 wurde für die Mitglieder unseres Vereins das Obligatorium zum Abonnement der Bienenzeitung beschlossen. Die Bienenzeitung bildet bekanntlich die einzige Einnahmequelle des VDSB, sie ist im Preis sehr bescheiden, schliesst in sich die Haftpflichtversicherung und bietet jedem Imker reiche Belehrung. Es ist nur schade, dass das Lesen dieser Fachschrift nicht auch als obligatorisch erklärt werden kann, damit wäre dem einzelnen Imker, sowie der gesamten Imkerschaft sehr viel geholfen.

Am 19. Mai 1919 wird dem Vorstand ein Honorar von Fr. 100.- zugesprochen. Präsident, Kassier und Aktuar können diese Summe nach ihrem Ermessen unter sich verteilen. Dieses verteilen muss sicher in aller Minne vorgenommen worden sein, denn ich habe nie gehört, dass es deshalb zu Unstimmigkeiten im damaligen Vorstand gekommen ist.

Schon in zwei früheren Versammlungen hat Jakob Altherr, Romanshorn, den Antrag gestellt, der Vorstand sollte auf 5 Mitglieder erweitert werden. Bei seinem dritten Anlauf ist dieser Antrag am 2. Mai 1920 durchgedrungen. Die Grösse des Vereins und die damit vermehrten Arbeitsleistungen liesses es als angezeigt erscheinen, seinem Antrag Folge zu leisten. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Wartenweiler, Peter und Wittwer wurden in ihren Aemtern bestätigt und als Beisitzer Jakob Altherr in Romanshorn und Jakob Stäheli in Schocherswil gewählt. Die regionale Verteilung der Vorstandsmitglieder wurde damit auch wesentlich verbessert und der Vorstand um zwei schaffensfreudige und tüchtige Imker vermehrt. Am 2. Januar wird der Vereinszuckerbezug beschlossen, der sich bis heute erhalten und sich für die Vereinsfinanzen segensreich ausgewirkt hat. Mit vermehrten Einnahmen können auch grössere Arbeitsleistungen gemacht werden, was den Mitgliedern wieder zu gute kommt.

Im Sommer 1921 wurde in der Gegend von Oberaach die Faulbrut konstatiert und es zeigte sich, dass alle Stände von Oberaach, Schrofen, Engishofen und Kratz an Faulbrut verseucht waren. 7 oder 8 Stände mit ca. 150 Völkern mussten genau kontrolliert und saniert werden. Zu dieser grossen Arbeit wurde der gesamte Vorstand und zwei weitere Funktionäre, Altheer in Buhwil und Schöni, damals noch in Jllhart, aufgeboten. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft, wie ich an einem gewitterschwülen Tag auf dem Stande von Karl Bär in Engishofen 5 Korbvölker mit der Leiter von der oberen Fensterbank herunterholen musste. Es war wirklich eine sehr stachlige Geschichte. Alle kranken Völker wurden in Schwarmkisten abgefegt, die Kasten mit Spiritus ausgeflammt und die erstellten Kunstschwärme auf Kunstwaben wieder einlogiert. Mit der Faulbrut sind wir unter der tüchtigen Leitung des Bieneninspektors Wartenweiler fertig geworden. Die Faulbrut wurde verbreitet durch honigtriefende Waben, die auf der Station Oberaach in Jutesäcken einige Zeit im Freien lagen.

Am 10. Mai 1923 wird der Jahresbeitrag auf Fr. 2.50 erhöht. Im Herbst des gleichen Jahres wird in der Versammlung in Amriswil die erste Tombola organisiert, die recht befriedigt hat.

In der Frühjahrsversammlung vom 26. April 1925 ist der Aktuar Fritz Peter nicht erschienen und hat schriftlich seine Demission eingereicht. Die vier verbliebenen Vorstandsmitglieder Wartenweiler, Wittwer, Altherr und Stäheli werden einstimmig bestätigt und als neuer Aktuar E. Schöni, der indessen nach Eschikofen übersiedelt ist, gewählt. Während 14 Jahren, d.h. bis zum Ableben von Jakob Wittwer im Jahre 1939, ist die Zusammensetzung des Vorstandes gleich geblieben, und als Ueberständer dieses Kollegiums ist heute nur noch der damals gewählte Aktuar im Amte, das sind nun 38 Jahre. Freund Jakob Stäheli, unser verehrtes Ehrenmitglied, der das 80. Lebensjahr schon weit überschritten hat, besucht bis heute noch regelmässig unsere Versammlungen und zeigt am Vereinsgeschehen immer noch sein grosses Interesse. Am 26. Juli 1925 wird beschlossen, die Zuchtgruppen, die dem Verein rapportieren, mit je Fr. 30.- zu honorieren, um diese zu einer vermehrten Tätigkeit. anzuspornen. M:i t der Zeit hat sieh aber gezeigt, dass dieser Ansporn wieder merklich abflaute und der Zustupf aus der Vereinskasse wurde wieder aufgehoben.

Im Jahre 1926 waren die alten Statuten vergriffen, was dann zu einer umfassenden Statutenrevision führte. Diese wurden zeitgemäss umgearbeitet und wieder neu gedruckt. Jedes Mitglied erhielt die neuen Statuten und ein schöner Vorrat wurde für neue Mitglieder bereitgestellt.

Im gleichen Jahr hatten wir eine ganz unliebsame Angelegenheit. Drei Grassimker unseres Vereins standen auf der “schwarzen Liste” des VDSB. Zwei davon hatten einen beträchtlichen Prozentsatz ausländischen Honig mit Schweizerbienenhonig vermischt und die ganze Mischung als Schweizerhonig in den Handel gebracht. Von Fräulein Dr. A. Maurizio in Liebefeld wurde dieser Schwindel natürlich mit Leichtigkeit aufgedeckt. Der dritte hatte einige Schwärme, sowie auch die Standvölker während des Sommers derart reichlich gefüttert, dass er einige Kessel Sommer- d.h. Fütterungshonig ernten konnte. Alle drei Sünder wurden vor den Gesamtvorstand zitiert, wo sie reuevoll ihre Fehler bekannten.

Durch Alfred Düsseli angeregt, kamen die thurg. Königinzüchter im Jahre 1925 zu einer gemeinsamen Tagung nach Weinfelden. Es wurden dabei nur theoretische Fragen behandelt ohne praktische Arbeiten, aber dies gab doch den Anstoss zu unseren beliebten Züchterkonferenzen. So wurde denn die erste praktische Züchterkonferenz im Jahre 1926 unter Leitung von Wartenweiler und dem Schreibenden in Eschikofn abgehalten. Die Sache fand so guten Anklang, dass beschlossen wurde, diese praktischen Tagungen alljährlich abwechslungsweise in den verschiedenen Vereinen durchzuführen. Die Rassenzucht hat damit in unserem Kanton viel gewonnen, in freien Darbietungen und Aussprachen lernt man gegenseitig von einander, Freundschaften werden geschlossen und tragen viel zur Erhaltung unserer schweiz. Rassenzucht bei. Was unser verehrter Chef der Rassenzucht, Dr. Martin Hunkeler als letztes geistiges Vermächtnis zu unserem Vicepräsidenten des VDSB, Herrn Hellwig, gesagt hat, dass wollen auch wir halten: “Heit Sorg zue üser Landrasse”.

Eine recht schöne Angelegenheit bildeten Ende der zwanziger und anfangs der dreisaiger Jahre einige Familiennachmittage in den Herbstversammlungen, wobei bei entsprechenden Referaten und nachheriger gemütlicher Unterhaltung flotte und schöne Nachmittage verlebt wurden und die Kapelle Wittwer eine wichtige Rolle spielte. Ein diesbezügliches Protokoll, das ich unserer Festversammlung nicht vorenthalten will, soll Ihnen zeigen, wie es damals zu- und herging: Verlesen des Protokolls vom 30. November 1930 ••••••

Zweimal beteiligte sich unser Verein an lokalen Ausstellungen für Landwirtschaft und Gewerbe, 1934 in Amriswil und vier Jahre später in Sulgen. August Wartenweiler mit seinen Helfern verstand es vortrefflich, in echt künstlerischen Arrangementen die Abteilung Bienenzucht zu organisieren und die Besucher der Ausstellungen in Staunen und Bewunderung zu versetzen. Beide Ausstellung haben viel dazu beigetragen, dass die Bevölkerung der Bienenzucht grösseres Interesse entgegenbrachte.

Das Jahr 1937 bildet für den Verband Thurg. Bienenzüchtervereine einen besonderen Markstein, die Wanderversammlung des VDSB in Arben. Der Verbandspräsident August Wartenweiler und der Präsident des Vereins Egnach, Jakob Wohnlich, haben mit ihren tüchtigen Helfern von Arben die Organisation dieses grossen Anlasses mustergültig vorbereitet und auch durchgeführt. Die grosse Besucherzahl von über 700 Teilnehmern bildete damals einen Rekord, seither sind diese Teilnehmerzahlen allerdings einigemale übertroffen worden. Auch finanziell hat die Arboner Versammlung sehr gut abgeschnitten, wurde doch der Franken, der von allen thurgauischen Vereinsmitgliedern für die Deckung eines evtl. Defizites eingezogen worden war, nicht notwendig und der Kantonalkasse, die vorher immer auf dem Nullpunkt war, konnten ungefähr 1000 Franken zugewendet werden. Wann kommt wohl wieder eine Wanderversammlung in den Thurgau?

1938 feierte unser Verein das 50jährige Jubiläum seines Bestehens. Auch 1928 feierte er die 40Jahrfeier. Beide Male hatte der Aktuar die Ehre (und das verdammte Vergnügen) die Jubiläumsberichte abzufassen, und heute ist es also zum drittenmal. Als Berichterstatter für diese beiden Feiern amtete unser liebes Ehrenmitglied Heinrich Nather. Bei Anlass der 50Jahrfeier wurde an Jakob Wittwer für seine 25jährige pflichtbewusste und treue Arbeit als Kassier die Ehrenmitgliedschaft verliehen, ebenso wurde der damals einzige noch lebende und an der Feier anwesende Mitbegründer unseres Vereins, Karl Bär in Engishofen, zum Ehrenmitglied ernannt.

Anfangs Januar 1939 starb unser lieber Jakob Wittwer nach langer und schmerzhafter Krankheit und am 9. Januar trugen wir unseren lieben Freund auf dem Friedhof Bischofszell zu Grabe. Zum Nachfolger im Kassieramt wurde Karl König in Kradolf am 5. März 1939 gewählt, also vor 24 Jahren.

Der 17. März 1940 war ein ganz besonderer Ehrentag für August Wartenweiler. Was August Wartenweiler in diesen 50 Jahren seiner Präsidentschaft für unseren Verein geschafft hat, macht ihm so leicht keiner nach. Der Oberthurg. Imkerverein war wirklich sein Verein. Aus kleinen Anfängen hat er ihn zum grössten thurgauischen Imkerverein anwachsen lassen. Die Mitgliederzahl ist in dieser Zeit um das zehnfache gestiegen. Ein prächtiger Blumenstrauss und 50 neue Fünfliber waren das sichtbare Zeichen unseres Dankes. Noch drei Jahre harrte August auf seinem Posten aus, total also 53 Jahre. Ich kenne nur einen Mann, der diesen Rekord noch um ein weniges übertroffen hat, es war der langjährige Zentralpräsident Robert Göldi, der 1884 zum Präsidenten des Vereins Rheintal gewählt worden und dieses Amt während 56 Jahren innehatte. An der Jahresversammlung vom 28. März hat August Wartenweiler sein Amt niedergelegt und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Zum neuen Präsidenten wurde der bisherige Kassier Karl König erkoren und heute noch steht er diesem verantwortungsvollen Posten in mustergültiger Weise vor. Als neuer Kassier beliebte Jakob Kradolfer in Befang-Sulgen. Unter der neuen Leitung steuert das Vereinsschiff nach dem bewährten Kurs zielsicher weiter. Die bewährten alten Grundsätze werden weitergepflegt und die Neuerungen im Bienenzuchtbetrieb sorgfältig abgewogen. So wird die stark propagierte Stockheizung auf Vereinskosten angeschafft und von Jakob Kradolfer während zwei Jahren ausprobiert. Sie hat nicht befriedigt und kann darum den Mitgliedern nicht zur Anschaffung empfohlen werden. Von Sprecher in Chur werden die Grosszellen empfohlen und verschiedene Kunstwabenfabrikanten haben teure Maschinen angeschafft und machen darum Propaganda für die Grosszellen. Auch diese wurden ausprobiert, so auch vom Aktuar. Sie konnten nicht empfohlen werden. Das Nosemaheilmittel “Nosemack” wurde von Karl König ausprobiert. Er hat aber damit auch nicht den gewünschten Erfolg feststellen können. Auf diese Art können die Imker vor unnützen Ausgaben und Aerger verschont werden.

Am 28. Juni 1944 verschied in Märstetten unser lieber Freund und Ehrenpräsident August Wartenweiler in seinem 80. Lebensjahr. Drei Tage nachher trugen seine Vorstandskameraden seine sterbliche Hülle im blumengeschmückten Sarg auf den Friedhof. Eine grosse Trauergemeinde folgte dem Sarg, darunter sehr viele Imker. Vom Zentralvorstand des VDSB erwiesen Jean Fey und Dr. Morgenthaler dem Ehrenmitglied des VDSB und ihrem lieben Freund die letzte Ehre und Herr Dr. Morgenthaler würdigte in seiner Grabrede die grossen Verdienste des Verstorbenen um die Bienenzucht. Der Vereinsaktuar wurde vom Vorstand beauftragt, an der Herbstversammlung in einer Gedenkschrift über die Erinnerungen an unseren Freund und Bienenvater August Wartenweiler zu sprechen. Dies geschah am 15. Oktober in der Palme zu Schönenberg. Auf Antrag von Alfred Düssli wurde beschlossen, diese Gedenkschrift dem Druck zu übergeben und allen Vereinsmitgliedern, sowie weiteren Imkerfreunden zur Verfügung zu stellen. Ein warmempfundener Nekrolog wurde von seinem intimen Freund Jean Fey in der Bienenzeitung veröffentlicht. Der Name August Wartenweiler wird in unserem Verein und in den Imkerkreisen unvergessen bleiben.

Am 9. März 1947 tritt Jakob Altherr in Romanshorn vom Vorstand zurück und wird ersetzt durch Walter Fey in Zuben. Im Jahre 1951 nimmt Jakob Stäheli den Rücktritt aus dem Vorstand, er wird ersetzt durch Emil Kreis in Zihlschlacht. 1954 tritt Jakob Kradelfer als Kassier und aus dem Vorstand zurück. Als neuer Kassier wird Ernst Wehrli, damals in Sulgen, gewählt. Ernst Wehrli ist Präsident des Bienenzüchtervereins am Nollen und so haben wir im Vorstand des Oberthurg. Vereins gleich drei Vereinspräsidenten und auch den Kantonalpräsidenten. Noch ein anderes Zusammentreffen kann konstatiert werden. Emil Kreis ist Schulpräsident von Zihlschlacht, die anderen 4 Vorstandsmitglieder sind Schulmeister, will heissen Lehrer. Im Dezember 1961 mussten wir leider unseren lieben Freund und Vorstandsmitglied, Walter Fey, zu Grabe geleiten. Auf dem Friedhofe Altnau ruht seine sterbliche Hülle, das Andenken an ihn bleibt in uns lebendig. Sein Nachfolger im Vorstand ist Ernst Hässig in Bürglen. In den Ostertagen 1962 verschied unser lieber Vorstandskamerad Emil Kreis in Zihlschlacht. Wir verlieren in ihm einen tüchtigen Imker, ein rühriges Vorstandsmitglied und einen lieben Freund. In der Frühjahrsversammlung am 24. März 1963 wird Edi Wehrli in Eschikofen in den Vorstand gewählt.

An der letzten Vorstandssitzung, an welcher Emil Kreis noch anwesend war, machte er den Vorschlag, in der Herbstversammlung in Zihlschlacht den Bienenfilm laufen zu lassen und diesen auch den dortigen Ortseinwohnern zu zeigen. Sein letzter Wunsch ging in Erfüllung, leider konnte er selber nicht mehr dabei sein. Mit den Behörden von Zihlschlacht und der dortigen Lehrerschaft wurde das Programm zusammengestellt, am Samstag nachmittag mit den Schülern des Schulkreises, am Abend für die Erwachsenen der Gegend und am Sonntag mit dem Imkerverein, jeweils verbunden mit einem Vortrag über Bienenzucht und Landwirtschaft, abgetönt nach der Art der Zuschauer. Die ganze Veranstaltung hatte einen vollen Erfolg. Schade, dass der Hauptinitiant Emil Kreis nicht mehr dabei sein konnte. Den Ortsbehörden von Zihlschlacht und der dortigen Lehrerschaft gebührt für ihre tatkräftige Mithilfe unser bester Dank. Solche Vorführungen würden sicher auch andernorts das Interesse für die Bienenzucht erheblich stärken.

Betrachten wir noch die einzelnen Arbeitsgebiete, mit denen sich die Vereinstätigkeit hauptsächlich zu befassen hatte. Da sind:

  1. Die Versammlungen und Vorträge. “Keine Versammlung ohne einen Vortrag” war immer die Devise des Vereinsvorstandes. Wer die 840 Protokollseiten, die geschrieben worden sind, durchstudiert, bekommt einen Begriff von der Vielfalt der Referate, die alle möglichen Belange der Bienenzucht behandeln. Etwa 40 Referenten haben vor dem Vorum unseres Vereins von ihrem Wissen Zeugnis abgelegt. An der Spitze steht selbstverständlich August Wartenweiler mit 85 Referaten, gefolgt von Schöni mit 35, König mit 15, Freyenmuth mit 8, Chr. Bösch mit 8 und andern Vorstands- und Vereinsmitgliedern, sowie weiteren Imkerkapatitäten aus dem In- und Ausland.
  2. Kurswesen: “Kein Jahr ohne praktische Kurse”. Theorie ohne Praxis ist wie Suppe ohne Salz. Es war schon immer das Prinzip in unserem Verein, alljährlich unseren Mitgliedern auch etwas Praktisches zu zeigen, die Imker wollen auch etwas sehen, nicht nur hören. Selbstverständlich stehen die Anfänger- und Fortbildungskurse an erster Stelle, vor 40 und mehr Jahren wurden auch mehrere Wachs- und Handfertigkeitskurse veranstaltet, diese sind aber in der Neuzeit nicht mehr notwendig. Die grosse Beteiligung an den Fortbildungskursen machten es notwendig, dass jeweils zwei Kursleiter amten mussten. Das hat dann insoweit geändert, weil für den gleichen Kurs vom VDSB nur noch ein Kursleiter entschädigt werden Durfte, jedoch in grossen Vereinen zwei verschiedene Kurse entschädigt werden durften. So führen wir nun schon seit vielen Jahren jeweils einen Fortbildungskurs nebst einem zweiten Kurs für Anfänger, Königinzüchter oder für Rassenzucht durch.
  3. Standbesuche. Imker, die nie an einer Versammlung oder an einem Kurs sich zeigen, müssen besucht werden. Diese haben vor allen Belehrung notwendig und haben wieder mehr Interesse für die Bienen, wenn sie das Gefühl haben, dass man sich ihrer annimmt. Den Standbesuchsleitern ist damit eine schöne und wichtige Aufgabe zugeteilt worden.
  4. Königinzuchtkurse werden jetzt periodisch alle drei Jahre durchgeführt, ebenso Punktierkurse. Die Königin- und Rassenzucht ist in unserem Verein schon von jeher intensiv gepflegt worden, wovon unsere rührigen Zuchtgruppen zeugen.
  5. Honigkontrolle: Für das Ansehen unseres guten Schweizerbienenhonigs ist es notwendig, dass diesem edlen Produkt alle Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Honig muss sauber geerntet, geklärt und richtig aufbewahrt und in den Handel gebracht werden, wenn er die Konkurrenz mit dem ausländischen Honig bestehen will. Vor Jahren, als gute Honigernten gemacht werden konnten, musste für unseren Honig geworben werden. Die beste Reklame ist und bleibt gute und reelle Bedienung der Kundschaft.
  6. Verbesserung der Bienenweide: Auch in dieser Beziehung ist in unserem Verein schon einiges getan worden, es hätte allerdings noch mehr sein können.

In der Zusammensetzung des Vorstandes ist nur wenig Wechsel zu verzeichnen. Wo findet sich wohl ein Verein, der innert 75 Jahren mit nur zwei Präsidenten ausgekommen ist, wovon der zweite immer noch rüstig seines Amtes waltet. Die bisherigen Präsidenten sind:

  • August Wartenweiler von 1891 bis 1943
  • Karl König seit 1943

Im Aktuariat gab es namentlich im Anfang mehr Wechsel:

  • Jakob Brüschweiler von 1888 bis 1898
  • Hungerbühler von 1898 bis 1901
  • Müller, Amriswil, von 1901 bis 1906
  • Friedrich, Götighofen, von 1906 bis 1910
  • Wepf, Holzenstein, von 1910 bis 1913
  • Fritz Peter, Erlen, nachher im Sonnenhof-Bürglen, von 1913 bis 1925
  • Emil Schöni, damals in Eschikofen, seit 1925 bis heute

Das Kassieramt betreuten von anfang bis 1906 der jeweilige Aktuar.

  • Federie, Amriswil, von 1906 bis 1914
  • Jakob Wittwer, Rank-Krado1f, von 1914 bis 1939
  • Karl König, Kradolf, von 1939 bis 1943, d.h. bis zu seiner Wahl als Präsident
  • Jakob Kradolfer, Befang-Sulgen, von 1943 bis 1954
  • Ernst Wehrli von 1954 bis heute

Als Beisitzer haben gewaltet:

  • Jakob Altherr, Romanshorn, von 1919 bis 1947
  • Jakob Stäheli, Schocherswil von 1919 bis 1951
  • Walter Fey, Zuben, von 1947 bis 1961
  • Emil Kreis, Zihlschlacht, von 19Al bis 1962
  • Ernst Hässig, Bürglen, seit 1962
  • Edi Wehrli, Eschikofen, seit 1963

Zu Ehrenmitgliedern sind ernannt worden:

  • August Wartenweiler zum Ehrenpräsidenten 1943
  • Karl Bär, Engishofen, 1938
  • Georg Leumann, Kümmertshausen, 1938
  • Jakob Witwer, 1938
  • Jakob Altherr, 1947
  • Heinrich Nather, 1946
  • Johann Schoop, 1948
  • Jakob Keller, 1950
  • Jakob Stäheli, 1951
  • Frau Widmer-Schütz, 1951
  • Emil Schöni, 1951
  • Jakob Kradolfer, 1954
  • Ernst Altheer, 1954
  • Ernst Hälg, 1954
  • Gustav Gloor, 1958

Die drei jetzt noch lebenden Ehrenmitglieder sind: Stäheli, Schöni und Gloor.

Verehrte Festversammlung! Ich habe versucht, Ihnen vom Entstehen, Werden und Schaffen unseres Imkervereins Oberthurgau ein einigarmaasen getreues Bild vor Augen zu führen. Aus den ca 850 Protokollseiten habe ich herausgeschrieben, was mir am wichtigsten erschienen ist. Sehr vieles, das ebenfalls Wert gewesen wäre, in den Bericht aufgenommen zu werden, musste ich weglassen, weil sonst die Arbeit zu umfangreich geworden wäre. Unserm lieben Verein wünschen wir alle ein glückliches Fortbestehen im Dienste unserer Bienenzucht, die für die ganze Volkswirtschaft von grösster Bedeutung ist.

Der Berichterstatter: E. Schöni.